derzeit ist KI in aller Munde. Die einen feiern die Künstliche Intelligenz als gut geölte Effizienz-Maschine, die einem Deppen-Aufgaben abnimmt und kreative Arbeit überhaupt wieder möglich macht. Die anderen ärgern sich über generische, nichtssagende und nervtötende Chat-GPT-Texte auf Job-Plattformen wie Linkedin. Oder über KI-Angriffe auf andere KIs, gestern wurde erneut ein Fall bekannt. Und die dritten sagen vermutlich: Naja, jetzt haben wir den Kram. Dann müssen wir damit wohl irgendwie klarkommen.
Ähnlich verliefen anno dunnemals Diskussionen um die Einführung des Internets. Moment mal, ist das überhaupt so lange her, dass man einen Ausdruck benutzen kann, als spräche man über den Zweiten Weltkrieg oder das Mittelalter? Naja, in gewisser Weise schon, am 6. August 1991 (also heute vor exakt 35 Jahren) stellte der britische Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee sein Projekt „World Wide Web“ einer breiteren Öffentlichkeit vor – es war der Startschuss eines unvergleichlichen Siegeszuges.
Und war das Ganze Fluch oder Segen? Wie so oft natürlich beides. Wissen ist seither definitiv kein Herrschaftswissen mehr. Jede und jeder kann sich informieren nach Belieben. Menschen finden Gleichgesinnte. Für jedes noch so spezielle Interesse gibt es eine Community. Gesellschaftlicher Protest wurde sichtbarer, globaler, vernetzter. Und, und, und..
Andererseits bedeutet eine Stimme für alle natürlich auch eine Stimme für jeden Unfug. Die Empörungswellen waren nie so hoch wie heute, die Debatten-Kultur selten so verhärtet. Privatsphäre? Kaum noch bekannt, dafür wurde öffentliche Aufmerksamkeit zur Superdroge.
Was sagen Sie? Internet am liebsten wieder abschalten? KI bremsen? Oder überwiegen doch die Vorteile? Vielleicht halten Sie's ja auch mit der dritten oben beschriebenen Gruppe („Naja, jetzt haben wir den Kram...“)
Kommen sie einstweilen klar mit dem heutigen Tag, Ihr
Kristian Meyer
Blattmacher
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