„Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen“. Neulich im Urlaub musste ich an Oberstleutnant Bill Kilgore aus dem legendären Antikriegsfilm „Apocalypse Now“ aus den 70ern denken. Der hockt oberkörperfrei inmitten einer Szene zwischen Smog, Hubschaubergeknatter und Explosionen, plaudert tiefenentspannt mit verstörten Soldaten und weigert sich schlicht, anzuerkennen, dass um ihn herum ein Inferno tobt.
Die Szene ging mir durch den Kopf, als ich die Schiebetür unseres angemieteten sizilianischen Urlaubshäuschens öffnete. Es war 6.15 Uhr morgens. Ich war so früh auf, weil ich ausnutzen wollte, dass das Thermometer erst bei 28 Grad stand und Laufen gehen. Um 8.30 Uhr würden es über 30, mittags 40 Grad sein. Jetzt oder nie, also.
Der Brandgeruch in der Luft war überdeutlich. Die orangene Sonne stand am Himmel wie hinter einer Milchglasscheibe. Und mir wurde klar, dass es auch die Tage davor nicht etwa diesig gewesen war, und der Sonnenuntergang deshalb so spektakulär, sondern wegen des Rauchs in der Luft. Und dass die Löschflugzeuge, die am Vortag direkt vor unserem Strandabschnitt im Fünf-Minuten-Takt mit einem kurzen Dip auf der Meeresoberfläche Wasser gebunkert hatten, keine Übungsrunden flogen, sondern im Inselinneren Einsätze an der Feuerfront. Ich hab mich dann erstmal wieder hingelegt.
Ich weiß, es klingt komisch, aber der Urlaub war trotzdem schön. Das Eis, die Pizza, das Meer, die Sizilianer mit ihrem knurrigen Anti-Charme – alles herrlich. Und trotzdem lag für uns neben dem Smog und dem Gefühl von Dystopie auch eine Erkenntnis in der Luft: Es war vermutlich unser letzter Sommerurlaub im Süden. Da hinzufliegen, das fühlte sich für uns an, als würde man noch reinpusten ins Feuer. (In Frankreich spitzt sich die Lage parallel weiter zu)
Und nach Hause zu kommen und dunkle Wolken zu sehen, Regen zu spüren und weitgehend intaktes Grünzeug um sich herum zu haben, das war ein wahrhaft erholsamer Moment.
Herzliche Grüße, schönen Dienstag!
Maik Koltermann
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