wie haben Sie Ihr Wochenende verbracht? Ich auf Panini-Tauschbörsen. Ja, Mehrzahl! Das WM-Heft des Filius sollte schließlich möglichst voll werden, ohne dabei das Familiensilber zu veräußern. Also rein ins Getümmel. Hunderte Kinder, noch mehr Eltern, Security (kein Scherz!) und eine Erkenntnis: Eine Welt, in der Kinder entscheiden, wäre vermutlich solidarischer. Kommen aber Väter hinzu, wird es schmutzig.
Die Kids sitzen auf dem Boden der Zentralbibliothek. Überall gibt es Tauschkreise. Die Hefte aufgeklappt. Einige Kinder sind super weit, brauchen noch `ne Handvoll Sticker. Was bei 980 Aufklebern für ein volles Heft erstaunlich ist. In anderen Alben klaffen Lücken. Was die Kinder eint: Sie wollen ihre Mannschaften voll bekommen. Dafür werden auch vermeintlich große Werte eingesetzt, Hauptsache die Seiten füllen sich. „Tausche Messi gegen Mexiko6!“
Was ich dort beobachtet habe, mochte ich. Die Kinder kommen mühelos miteinander ins Gespräch. Alter, Geschlecht oder die Menge der Doppelten spielen kaum eine Rolle. Gesucht werden fehlende Spieler, nicht maximale Gewinne. Meist wird eins gegen eins getauscht. Das einfache Prinzip lautet: Du hast, was ich brauche. Ich habe, was du brauchst.
Die Jungs und Mädchen bedanken sich, wenn sie mehrere ihrer Helden bekommen haben. Sie sind höflich, vertrauen sich gegenseitig ihre doppelten Klebebilderhaufen an. Und wenn ein Kind weniger zum Tausch hat, bekommt es Doppelte auch mal einfach so. Für lau. Ohne Gegenleistung.
Wären da nicht Väter.
Eine Szene, die ich beobachtet habe: Kind A tauscht gerade mit Kind B. Daneben steht der Vater und beobachtet. Dann kommt Kind C dazu. Es fragt nach Bellingham als Extra-Sticker und zeigt seine Doppelten. Der Vater greift er ein. „Du musst mit dem hier tauschen“, befiehlt er. „Der Junge hat viel bessere Sticker als das andere Kind.“ Kind A widerspricht. Es möchte erst den begonnenen Tausch mit Kind B zu Ende bringen. Doch der Vater verliert die Geduld. „Er hat Mbappé!“, fährt er sein Kind an, nimmt ihm die Sticker aus der Hand und handelt den Tausch kurzerhand selbst aus.
Die Fußball-WM ist seit gestern Geschichte. Spanien hat Argentinien im Finale mit 1:0 besiegt. Damit endet auch die Hochsaison der Panini-Tauschbörsen. Im Internet geht das Sammeln weiter. Dort wird allerdings weniger getauscht als gehandelt. Die Preise, das kann ich Ihnen versichern, sind teilweise absurd. Und ich habe da einen Verdacht, wer sie macht.
Ich wünschen Ihnen einen guten Start in die neue Woche!
Julian König
Ressortleiter Lokales
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