nach dem barbarischen Anschlag auf den Berliner CSD fragt man sich unweigerlich, auch wenn es in einer freien Gesellschaft nie absoluten Schutz geben kann: Warum gelingt es nach Mannheim, München und Magdeburg einem Extremisten erneut, eine Tat mit dem Auto zu begehen – zumal der mutmaßliche Täter ein bekannter Gefährder war?
Es ist nicht die einzige unbequeme Frage, die schnell geklärt werden muss. Denn längst wird der Terroranschlag nicht nur von der AfD missbraucht, um unter dem Deckmantel des Mitgefühls mit den CSD-Opfern, Stimmung gegen Migranten zu machen. Die AfD, die den Hass gegen queer lebende Menschen immer wieder befeuert.
Die queerfeindlichen Straftaten stiegen 2025 um 12,8 Prozent, viele werden dem rechtsextremen Milieu zugerechnet. In der MOPO erzählte der Co-Vorsitzende von Hamburg Pride, dass ein Verein aus Ostdeutschland berichtet hätte, dass sich die Teilnehmenden am dortigen Christopher Street Day aus Sicherheitsgründen nicht trauen würden, in ihrer CSD-Kleidung den Hin- und Heimweg zu beschreiten und sich erst vor Ort in einem Zelt umziehen würden. So weit greift die massive Einschüchterung schon um sich.
Deswegen reicht es längst nicht mehr aus, seine Empörung über den Anschlag zu äußern, sich an die Seite der Opfer und Hinterbliebenen der getöteten Frau zu stellen.
Ich will keinem seine Trauer absprechen. Aber es ist ein politisch falsches Signal, dass die Bundesregierung die Förderung des bundesweit einzigen queeren Jugendverbands Lambda zum Jahresende streichen will. Lambda e. V. berät und vernetzt die LGBTQI+-Bewegung. Das Aushöhlen von Demokratie-Projekten durch die schwarz-rote Bundesregierung oder die Angriffe gegen NGOs wie HateAid sprechen ebenso eine andere Sprache, als die der Trauerbekundung. Beides passt nicht zusammen.
Am kommenden Sonnabend ist übrigens der CSD in Hamburg.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.
Frank Wieding
Printchef
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