in diesem Jahr wehte zum zweiten Mal in Folge zum Christopher Street Day keine Regenbogenflagge über dem Bundestag. Eine Frage der Neutralität für Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU). Aber darf der Staat ernsthaft neutral sein, wenn es um die Verteidigung von Grundrechten geht?
Der barbarische Anschlag eines Islamisten auf den CSD in Berlin, bei dem eine Frau ermordet wurde, hat brutal gezeigt, welchen Bedrohungen queer lebende Menschen auch bei uns ausgesetzt sind. Alle, die wie ich nicht direkt betroffen sind, können wohl bestenfalls erahnen, wie sich Hass und Ablehnung auf das Leben jener auswirken, die nicht ins (kleinbürgerliche) Raster der Mehrheitsgesellschaft passen.
Religiöse Fanatiker und Rechtsradikale verbindet die Ablehnung unserer liberalen Gesellschaft. Doch die gelebte Vielfalt ist nicht nur durch Extremisten bedroht, sondern auch durch die Ressentiments von Menschen, die sich der gesellschaftlichen Mitte zugehörig fühlen. Vor dem Hamburger CSD berichten Hamburgerinnen und Hamburger aus der queeren Community in der neuen WochenMOPO, die ab heute im Zeitungsregal liegt; wie sie den Hass erleben.
Der CSD ist schon immer viel mehr als eine bunte Party gewesen – eine Demonstration gegen Diskriminierung und für Menschenrechte, für Liebe statt Hass. Die Hamburger können am morgigen Sonnabend ein besonders starkes Zeichen für gelebte Nächstenliebe setzen. Der CSD startet um 12 Uhr an der Lübecker Straße Ecke Mühlendamm (Hohenfelde).
Ich wünsche Ihnen einen schönen Freitag.
Frank Wieding
Printchef
[email protected]