nun haben sie also ein Bekennerschreiben gefunden. Abdul B. hat auf seinem Handy ein Video hinterlassen, in dem er sich zur Mörderbande „Islamischer Staat“ bekannt hat, bevor er in den gemieteten Transporter gestiegen ist, um Menschen zu töten, deren einziger Fehler es ist, anders zu leben, als er es für richtig hielt.
„Unsere Freiheit wurde angegriffen“, sagte Friedrich Merz über den Anschlag auf den Berliner CSD. Wenn der Bundeskanzler in die rhetorische Trauerkiste greift, dann ist keine Phrase groß genug. Das Problem ist nur: Meine Freiheit wurde nicht angegriffen. Auf Menschen wie mich – weiß, cis-männlich, heterosexuell – hatte der deutsche Islamist es nicht abgesehen. Sondern auf diejenigen, die nicht ins konservative Raster passen und die deswegen umso mehr unseren Schutz vor Menschen wie Abdul B. brauchen – aber auch vor Politikern wie Friedrich M.
Der hat vor gerade mal einem Jahr das Hissen der Regenbogenflagge auf dem Reichstag mit einem unsäglichen Zirkuszelt-Vergleich verweigert; er hat sich ein paar Jahre zuvor bei der Frage nach seiner Meinung zu einem homosexuellen Kanzler nicht entblödet, Homosexuelle in die Nähe von Pädophilen zu rücken; er hat seinerzeit gegen die Ehe für alle gestimmt.
Es beginnt nicht mit einem mörderischen Anschlag. Es beginnt damit, anderen Rechte abzusprechen, die man selbstverständlich für sich in Anspruch nimmt. Es beginnt damit, andere lächerlich zu machen, weil sie anders sind als man selbst.
Laut einer aktuellen Studie hält weniger als die Hälfte der Deutschen es für richtig, dass queere Paare offen leben. Weniger als die Hälfte hält Gesetze für unterstützenswert, die LGBTQIA+-Menschen vor Diskriminierung schützen. Die Zustimmung zu allen Fragen, die die Gleichstellung betreffen, sinkt.
Gleichzeitig steigen die Umfragewerte am rechten Rand, der sich angesichts der Tatsache, dass der Täter ein Islamist war, feixend die Hände reibt, fässerweise Öl ins Feuer der Diskussion um Konsequenzen gießt und spätestens in zwei Tagen wieder gegen „Genderwahn“ und „Wokismus“ geifern wird.
Beim CSD geht es um Gleichstellung und um eine „Zukunft ohne Angst“. Ohne Angst vor fanatischen Gotteskriegern und rechtsextremen Biedermännern. Am Samstag werden bis zu 250.000 Menschen in Hamburg erwartet – ich hoffe, wir werden noch mehr.
Lieb doch, wen du willst!
Alexander Josefowicz
CvD Online
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