jahrzehntelang wurden die Deutschen für ihren Mode-„Geschmack“ verhöhnt und verlacht. Völlig zurecht: Deutsche im Ausland erkannte man von weitem an Funktionsjacken (am liebsten von Wolfskin im Partnerlook) und, wahrlich ikonisch, den weißen Socken in Sandalen. Nun war ich gerade in Frankreich, und was soll ich sagen: In Paris, der Hauptstadt der Haute Couture, ist der deutsche Modemuffel absolute Avantgarde. Birkenstock-Sandalen, wohin das Auge blickt. Und je hipper das Viertel, desto konsequenter mit schwarzen oder weißen Socken kombiniert, maximal hochgezogen und nur knapp unter der ebenso angesagten Drei-Viertel-Hose (leider kein Witz) endend. Mann von Welt trägt dazu gern bauchfrei, was bei 40 Grad, die es bei unserer Ankunft hatte, deutlich sinnvoller ist als die Schwitzfuß-Socke in der Sandale, aber ebenso zweifelhafte Ästhetik produzieren kann.
Überhaupt stellt sich die Frage, wer jemals auf die Idee gekommen ist, Socken in Sandalen zu tragen. Ist es warm, braucht man keine Socken. Ist es kalt, trägt man keine Sandalen. Vielleicht wegen dieser Sinnfreiheit haben mittlerweile selbst Gucci, Prada & Co. des Deutschen Modesünde Nr. 1 zum ironischen Fashion-Statement erhoben. Wenn sie also in den kommenden heißen Tagen mal so richtig en vogue sein wollen ...
Einen wunderbaren Wochenstart wünscht
Mathis Neuburger
Stv. Chefredakteur
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