Unions-Fraktionschef Jens Spahn konnte auch die Maskenaffäre nichts anhaben. Im politischen Berlin munkelt man einerseits, dass er Bundeskanzler Friedrich Merz im Schulterschluss mit Alexander Dobrindt (CSU) längst die Macht abgrabe. Andererseits, dass er eine künftige Koalition seiner Fraktion mit der AfD längst vorbereite. Vermutlich sieht er sich in dieser Konstellation als künftiger Kanzler.
Was die Umfragen zur Zeit weniger hergeben. Demnach würde Spahn derzeit eher Vizekanzler unter einer Kanzlerin Alice Weidel. Die im übrigen kürzlich beim AfD-Parteitag nicht nur erneut das Bonmot zum besten gab, dass sie ja nicht queer sei, sondern nur mit einer Frau zusammenlebe. Sondern auch noch, dass besagte Frau zwar Wurzeln in Sri Lanka habe, aber ja bei einer deutschen Familie aufgewachsen sei. Ergo keinen Migrationshintergrund habe nach eigener Definition. Ah.
Doch zurück zu Jens Spahn. Der hat jetzt ein Problem. Er ist Vater geworden. Mit seinem Ehemann. Und, nunja, der Mithilfe einer Leihmutter aus den USA. Nachdem er sich als gesundheitspolitischer Sprecher und Gesundheitsminister stets gegen die Legalisierung von Leihmutterschaft ausgesprochen hat. Dafür gibt es nach meinem Dafürhalten extrem gute Gründe, etwa dass Frauenkörper bei dem Modell als Gebärmaschinen benutzt werden, Risiken einer Schwangerschaft inklusive.
Spahns offensichtliche Doppelmoral erzürnt jetzt nicht nur die Opposition, gestern forderte schon der erste CDU-Landesverband seinen Rücktritt. Aus dem Hamburger Senat kam unter anderem Kritik von Maryam Blumenthal (Grüne). sie spricht von einem „Mittelfinger“, nicht nur in ins Gesicht derjenigen, die sich in Deutschland an Recht und Gesetz halten (was Spahn mit dem USA-Umweg umgehen wollte), sondern auch an diejenigen, die sich nicht mal eben 100.000 Euro für eine Leihmutterschaft in den USA leisten können.
Jens Spahn und Alice Weidel halten's also beide wie Pippi Langstrumpf: Sie machen sich die Welt, widde-widde-wie sie ihnen gefällt. Könnte sein, dass das ihm diesmal wirklich schadet.
Kristian Meyer
Blattmacher
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