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von Stephan Knieps,
Redakteur Unternehmen |
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wenn heute Abend die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der WM ihr zweites Spiel austragen wird, in Toronto gegen die Elfenbeinküste, wird Carsten Koerl wohl nicht nur aus privater Neugier zuschauen. Bei ihm dürfte auch die Kasse klingeln. Egal, wie das Spiel ausgeht. Denn der Unternehmer, im Allgäu aufgewachsen, versorgt mit seiner Schweizer Firma Sportradar rund 800 Sportwettenfirmen auf der ganzen Welt mit Spieldaten, Bildern und Wettquoten.
Diese Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA ist bekanntlich mit 48 Teams die größte, die es jemals gab. Auch für Zocker ist es ein Fest. Mehr Spiele, mehr Wetten, mehr Kombinationsmöglichkeiten. Koerl sagt, dass das Volumen der Sportwetten bei der WM mindestens 50 Milliarden Dollar betragen werde.
Koerl ist durch Wetten reich geworden (laut “Manager Magazin” ist er 2,1 Milliarden Euro schwer) - aber nicht so, wie es sich anhört. Koerl hat 1997 Bet and Win gegründet, eine der ersten Online-Plattformen für Sportwetten. 2000 ging er mit Bet and Win in Österreich an die Börse. Weil wenig später plötzlich Investoren mitreden wollten, stieg er aus und verkaufte seine Anteile an der Firma, die sich heute Bwin nennt. Er war reich. Kurz danach platzte die Dotcom-Blase. Etwas Glück war also auch im Spiel.
Kurz darauf legte Koerl die Keimzelle für seine Sportradar AG. Damit ist Koerl so etwas wie der Makler zwischen dem Sport und der Wettindustrie. Er schließt Verträge mit Verbänden wie der Fifa und der Uefa, mit Ligen wie der Bundesliga und der NBA, erhandelt sich offizielle Spieldaten und Genehmigungen, bewegte Spielbilder an Wettanbieter ausliefern zu können. Sportradar (Umsatz: 1,3 Milliarden Euro) ist an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet und beschäftigt 4600 Angestellte und 10 000 freie Mitarbeiter weltweit. Viele von ihnen verfolgen Spiele, zeichnen Bewegungen der Spielerinnen und Spieler auf, lesen Spielminuten, Tore, Punkte, Schnelligkeitswerte mithilfe von Kameras und KI aus. Er sitzt mit seinem Datenschatz
wie eine Spinne im Netz der Sportinformation und Wettindustrie.
Doch ausgerechnet zur WM geriet Koerl ins Zentrum einer Attacke von Leerverkäufern. Der Hauptvorwurf von Callisto Research, Ende April veröffentlicht: Mehr als ein Drittel der 800 Sportwettenanbieter, die Koerl mit Daten versorgt, soll keine gültige Lizenz besitzen. Und Sportradar, so der auf angeblichen Insidergesprächen beruhende Vorwurf, erwirtschafte bis zu 40 Prozent seines Umsatzes mit diesen nicht oder nicht ausreichend lizenzierten Wettanbietern. Koerl weist die Vorwürfe zurück, beklagt „falsche, irreführende und rufschädigende Aussagen“.
Und als wäre das noch nicht genug, drängen seit Kurzem auch noch neue Angreifer in den Sport, und damit auf Koerls Spielfeld: sogenannte „Prediction Markets“, Prognosemärkte wie etwa Kalshi und Polymarket, bei denen nicht gegen Buchmacher gewettet wird, sondern, ähnlich wie an der Börse, gegen die Prognosen anderer Marktteilnehmer. Auch wenn er sich anfangs kritisch über die neuen Spieler im Markt geäußert hatte, verkündete Koerl im Juni die Zusammenarbeit mit Marktführer Kalshi. „Prognosemärkte stellen einen vielversprechenden Wachstumsmotor für das globale Sportökosystem dar“, lobt Koerl.
Mein Kollege Volker ter Haseborg hat Koerl für ein Porträt in Berlin und in St. Gallen getroffen. Es wird deutlich: Koerl will kämpfen. Es geht um sein Lebenswerk, das Spiel seines Lebens.
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Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende mit anregender Lektüre. |
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Beste Grüße
Ihr Stephan Knieps
Redakteur Unternehmen
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Vor knapp 100 Jahren, am 1. Oktober 1926, erschien die erste Ausgabe des „Deutschen Volkswirt“, des Vorgängers der WirtschaftsWoche. Einen Überblick darüber, was wir Ihnen im Jubiläumsjahr bieten, finden Sie auf wiwo.de/100. |
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In zwei neuen Sonderfolgen unseres Podcasts WiWo History erzählen wir 100 Jahre Wirtschaftsgeschichte, eng verwoben mit der Historie der WirtschaftsWoche: Warum stürzte die deutsche Wirtschaft nach den „Goldenen Zwanzigern“ ab? Wie schaffte sie nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufstieg? Wie wurde Deutschland zur Exportnation und wie erschüttert ist die regelbasierte globale Handelsordnung heute?... oder beim Podcast-Anbieter Ihrer Wahl. |
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Marc Spieker Foto: e.on/Henning Ross |
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...sagt E.on-Vorstand Marc Spieker. Der Chef von Deutschlands größtem Strom- und Gasversorger ist der Herr der Preise. Er wehrt sich gegen Vorwürfe, er zocke Kunden ab.
Alle Fragen und Antworten lesen Sie hier.
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Susanne Wiegand. Foto: Daniel Biskup/laif |
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Ihr Verzicht war die Überraschung der Woche – und eine Blamage für Europas größten Autobauer: Wiegand, die ehemalige Chefin des Panzergetriebebauers Renk, zog am Donnerstag zur VW-Hauptversammlung überraschend ihre Kandidatur für den Aufsichtsrat des Konzerns zurück. Sie war erst vor einem Jahr ernannt worden, ihre Wiederwahl stand bis zuletzt auf der Tagesordnung der Veranstaltung; offenbar hat Wiegand ihren Rücktritt im letzten Moment erklärt. Wie fatal ihr Rückzug gewertet wird, erklärt beispielhaft Tanja Bauer von der Fondsgesellschaft Deka: „Frau Wiegand ist aus unserer Sicht hoch kompetent und die einzige unabhängige Aufsichtsrätin bei Volkswagen.“
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