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von Harald Schumacher,
Reporter Unternehmen |
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es ist unwahrscheinlich, dass Sie noch kein von Goldbeck errichtetes Gebäude genutzt haben. Das 1500. Parkhaus hat der Systembauspezialist gerade errichtet. Sie stehen quasi überall im Land. Großgaragen, Logistikhallen und Bürohäuser, schnell und vergleichsweise preiswert seriell zusammengesetzt aus vorgefertigten Modulen aus Stahl und Beton: Dieses selbst entwickelte Prinzip hat das erst 1969 gegründete Familienunternehmen aus dem ländlichen Bielefelder Stadtteil Ummeln groß gemacht und in die Top-Liga der deutschen Bauwirtschaft geführt.
Im aktualisierten Branchenranking allerdings rutscht der Systembau-Marktführer gerade etwas ab: von Platz drei auf Platz fünf. Denn die Gesamtleistung des europaweit tätigen Bau- und Dienstleistungsunternehmens stagnierte im Geschäftsjahr 2025/26, das am 31. März endete, bei 6,3 Milliarden Euro – exakt demselben Wert wie im Geschäftsjahr davor und nominal 400 Millionen unter der Gesamtleistung des bislang besten Jahres: 2022/23 hatte Goldbeck 6,7 Milliarden Euro erwirtschaftet.
Vor den Bielefeldern liegen nun nicht nur – wie bisher schon - die Branchenführer Hochtief und Strabag, sondern auch die Deutschland-Tochter des französischen Straßen- und Infrastruktur-Baukonzerns Vinci sowie die ebenfalls familiengeführte Zech Group aus Bremen mitsamt ihren Schwesterunternehmen in der Gustav-Zech-Stiftung.
Goldbecks Stagnation verwundert nicht. Die Baubranche insgesamt kämpft mit enorm gestiegenen Materialpreisen schon seit Beginn des Ukrainekriegs, mit wieder anziehenden Bauzinsen und entsprechend geringer Investitionsbereitschaft.
Doch die Performance des Unternehmens ist gut. Inzwischen ist es in 21 Ländern an 122 Standorten präsent. Auf 14.300 Mitarbeitende ist die Belegschaft gewachsen. Die Eigenkapitalquote liegt über 40 Prozent. Rund 33 Prozent der Gesamtleistung erwirtschaften die Bielefelder im Ausland. 2027 beginnt eine lange geplante Expansion in den USA. Aber auch in Deutschland und Europa sollen serieller Bau von dringend benötigtem Wohnraum, Schul- und Wohngebäuden, Kasernen, Feuerwehrhäusern und Rechenzentren überproportional wachsen und im seit April laufenden neuen Geschäftsjahr wieder Wachstum ermöglichen.
Für „2000 bis 2500 Euro brutto pro Quadratmeter Wohnfläche bauen wir, was in konventioneller Bauweise häufig 3000 bis 4000 Euro kostet“, lautet Jan-Hendrik Goldbecks Ansage an die Wettbewerber. Auf über sieben Milliarden Euro soll die Gesamtleistung nach der Durststrecke durch das Strategiepaket nun sprunghaft steigen. Das könnte klappen, denn der Wert der eingegangenen Aufträge war mit 7,3 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025/26 so hoch wie nie zuvor in der Unternehmensgeschichte.
Gute Voraussetzungen also für die Bielefelder, um im Kampf um den Bronze-Platz im Branchenranking wieder anzugreifen. Zumal sie in ihrem Anfang des Jahres eröffneten Concrete Innovation Center in Hamm mit der Forschung an klimafreundlichem Beton vorankommen. Bereits „in den 2030er-Jahren“ wollen sie Fertigteile „mit Netto-Null-Emissionen" produzieren.
Der „Baufuzzi“, wie sich Jan-Hendrik Goldbeck schon mal selbstironisch nennt, ist mit seinem weniger extrovertierten Bruder Jörg-Uwe offenbar ein funktionierendes Gespann an der Unternehmensspitze. Als ein Schmiergeldskandal im eigenen Haus
bekannt wurde, kehrten sie das nicht unter den Teppich, sondern zeigten klare Kante und erstatteten Strafanzeige. Im März wurden ein früherer Goldbeck-Prokurist und zwei frühere Projektleiter,
die mit 35 Subunternehmen ein Kick-back-System aufgebaut und ihren Arbeitgeber um einen zweistelligen Millionenbetrag betrogen hatten, zu Haftstrafen verurteilt. Von den Ex-Mitarbeitern und Subunternehmern verlangen die Goldbeck-Chefs nun Schadensersatz und drohen mit Klagen, wenn es nicht zu Einigungen darüber kommt. Jörg-Uwe Goldbeck hofft, dass die gradlinige Reaktion des Unternehmens Signalwirkung hat: „Wir haben gezeigt, wie man mit einem derartigen Angriff auf unsere Werte umgeht.“
Sein Bruder Jan-Hendrik bezieht auch politisch unmissverständlich Position. „Wir wollen hier weder marxistischen Klassenkampf noch blaue Soße mit Braunstich“, schrieb der Familienunternehmer vor zwei Jahren in einem fulminanten LinkedIn-Post. 73.000 Interessierte folgen ihm auf der Plattform inzwischen. „Weder woke noch anti-woke“ ordnet sich der unterhaltsame Aufrüttler ein. Kein Untergangsprophet, sondern ein Antreiber, der optimistisch zu einer „Aufbruchstimmung für eine solidarische und ökologische, aber klar leistungsorientierte Gesellschaft" beitragen will. |
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Ein entspanntes Wochenende mit anregender Lektüre wünscht Ihnen |
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Ihr Harald Schumacher
Reporter Unternehmen & Märkte
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P.S. Am 29. September sprechen die WiWo-Redakteure Thomas Stölzel und Jannik Deters mit ihren Gästen live über eines der am stärksten unterschätzten Risiken für global vernetzte Unternehmen: den Taiwan-Konflikt. Die Inselrepublik vor der chinesischen Küste ist einer der wichtigsten Produktionsstandorte für moderne Halbleiter, Störungen hätten massive Auswirkungen auf zahlreiche Branchen.
Hier geht es zur Anmeldung für die zweite Folge von Geopolitik für Weltmarktführer.
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Umweltminister Carsten Schneider (SPD) am Potsdamer Platz. Foto: Marlena Waldthausen |
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...sagt Bundesumweltminister Carsten Schneider im Interview. Helfen will der Thüringer der deutschen Autoindustrie mit E-Auto-Prämie, Zöllen gegen Chinas Importflut und einem neuen Tankrabatt.
Alle Fragen und Antworten lesen Sie hier.
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...muss seinen Posten als Aufsichtsratschef des Modehändlers Hugo Boss räumen - wohl auf Druck des Großaktionärs Frasers Group. Als Nachfolger wählte das Gremium Frasers-Chef Michael Murray. |
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Vor knapp 100 Jahren, am 1. Oktober 1926, erschien die erste Ausgabe des „Deutschen Volkswirt“, des Vorgängers der WirtschaftsWoche. Einen Überblick darüber, was wir Ihnen im Jubiläumsjahr bieten, finden Sie auf wiwo.de/100. |
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Die marktbeherrschende Stellung von Techaktien am US-Finanzmarkt scheint historisch beispiellos. Stimmt das wirklich? Eine Analyse verrät die versteckten Regeln der Märkte. Jetzt lesen
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