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von Stephan Knieps,
Redakteur Unternehmen |
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den Hilferuf „Die Chinesen kommen!“ kennt man aus der Autoindustrie. Doch mittlerweile stimmen auch Vertreter einer weiteren europäischen Branche mit ein: der Fahrradindustrie. Das mag etwas untergegangen sein, weil der Fahrradmarkt natürlich deutlich kleiner ist und deutlich weniger Menschen beschäftigt, und vielleicht auch, weil die Fahrradindustrie in Deutschland in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich geschrumpft ist. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Auch in einem rückläufigen Markt gibt es – auf niedrigem Niveau – Gewinner.
Die Angreifer heißen Tenways, Hepha oder DJI – es sind innovative und preisaggressive Fahrradhersteller und Komponentenbauer. Hepha stammt aus dem oberbayerischen Maisach, Tenways sitzt in Amsterdam. Aber dahinter stehen Gründer mit Wurzeln im Ökosystem der südchinesischen Techmetropole Shenzhen. Und DJI wird vom chinesischen Staat subventioniert. Alle drei Hersteller haben ihre Umsätze in den vergangenen Jahren gegen den Trend gesteigert.
Melanie Lauer fasst die Situation so zusammen: „Es kommen neue Marken aus Asien auf den europäischen Markt, mit teils brutalen Preisen. Die üben einen starken Druck aus.“ Lauer hat vor einem Jahr die Führung der Kalkhoff Werke übernommen, einer der größten Hersteller von Fahrrädern in Deutschland. Vor kurzem habe ich sie in Emstek im Landkreis Cloppenburg besucht, wo 2022 die wohl modernste Fahrradfabrik des Landes eröffnete: 30 Millionen Euro, 1000 Arbeitsplätze
. Beide, die neue Chefin und das neue Werk, repräsentieren damit auch das Große und Ganze, die Hoffnungen des weltgrößten Branchenkonglomerats, der Kalkhoff-Mutter Pon – und der gesamten europäischen Fahrradindustrie.
Denn die Sorgen der Hersteller sind groß. Anfang August traf die Krise einen der Größten: Die niederländische Accell Group
musste Insolvenz anmelden. Ein Schock für die Branche. Die Firma mit Marken wie Haibike, Ghost, Winora und Babboe war über Jahre Europas Marktführer. Kalkhoff, 1919 vom Landbriefträger Heinrich Kalkhoff gegründet, gehört seit 2012 zur Pon-Holding, ebenfalls in den Niederlanden. Der Geschäftsbereich Pon Bike steuert mit rund zwei Milliarden Euro ein Fünftel zum Gesamtumsatz bei. Damit sind die Niederländer der größte Fahrradhersteller der Welt. Neben Kalkhoff zählen Cannondale, Santa Cruz, Cervélo, Gazelle sowie die Lastenradmarke Urban Arrow zum Pon-Portfolio.
In Emstek sprachen wir darüber, wie Lauer den neuen Angreifern zu begegnen versucht. Lauer nannte ein ganzes Bündel von Maßnahmen, die sie in ihrer Kalkhoff-Strategie 2030 bündelt: ein Re-Design mit neuen Designs, neuen Farben, neuen Namen und neuem Marketing soll eine jüngere Zielgruppe ansprechen, die Modellpalette von Kalkhoff wird entschlackt, im Modelljahr 2027 bringt Kalkhoff ein neues E-Bike-Einstiegsmodell auf den Markt (2339 Euro), und auch den Entwicklungszyklus will sie deutlich reduzieren auf 15 bis 16 Monate. Lauer scheint gewillt, sich den neuen Wettbewerber zu stellen: „Wenn der Markt nicht wächst, muss man anderen Marktanteile abnehmen.“
Diese neuen Verteilungskämpfe werden vor allem im Fahrradhandel ausgetragen. Robert Peschke leitet mit Little John Bikes Deutschlands größten Fahrradhändler (70 Filialen). Auch er bestätigte mir: Die neuen asiatisch-stämmigen Angreifer „gewinnen Marktanteile und setzen damit traditionelle Marken extrem unter Druck“. In seinen Geschäften verkauft Peschke sowohl traditionelle deutsche Marken wie Kalkhoff, als auch Räder von Tenways und Hepha. Er sei nun mal Multimarkenanbieter,
erklärt Peschke: „Und es gibt Kunden, die nach dem Preis-Leistungs-Sieger suchen.“ Da holten genannte Marken auf. Der berühmt-berüchtigte Begriff „chinese speed“, sagt Peschke, sei nicht bloß eine Floskel: „In der Fahrradindustrie ist chinese speed so brutal, das hätte sich vor drei Jahren niemand gedacht: dass ein Asiate um die Ecke kommt mit diesen Produkten. Da haben viele hier gepennt.“ |
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Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. |
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Beste Grüße
Ihr Stephan Knieps
Redakteur Unternehmen
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Der Magdeburger Unternehmer und IHK-Vize Carsten Transfeld Foto: Öhmi/Viktoria Kühne |
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...sagt Carsten Transfeld, Chef der ÖHMI AG in Magdeburg, über die Wahl in Sachsen-Anhalt. Die Abkürzung ÖHMI stand in DDR-Zeiten für Öl-, Hefe- und Margarine-Industrie. Heute sind die wichtigsten ÖHMI- Geschäftsfelder Laborprüfungen, Zertifizierungen und Gebäudedienstleistungen für Lebensmittelproduzenten, Einzelhändler, die Wohnungs- und Gesundheitswirtschaft. Transfeld ist zudem einer der Vizepräsidenten der Industrie- und Handelskammer Magdeburg.
Alle Fragen und Antworten lesen Sie hier.
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