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von Harald Schumacher,
Reporter Unternehmen |
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am Donnerstagabend hat der Aufsichtsrat von Volkswagen dem Sparpaket des Konzernvorstands einstimmig zugestimmt. Nun kann der Autobauer in den kommenden Jahren unter anderem weitere 50.000 Stellen streichen. Gleichzeitig erwecken die Arbeitnehmervertreterinnen den Anschein, zu vier unsicheren deutschen Standorten sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Alles nicht so schlimm?
Doch: alles noch viel schlimmer. Das vollständige Sanierungskonzept des Vorstandes um Oliver Blume geht viel, wirklich viel weiter. Klar ist das, seit unsere Redaktion in dieser Woche ein streng vertrauliches VW-Dossier en Detail auswerten konnte. Die 146 Seiten starke schonungslose Selbstanalyse hat das VW-Management mit Beratern der Boston Consulting Group (BCG) und anderen Experten seit Ende 2025 erarbeitet und für die Showdown-Aufsichtsratssitzung vorbereitet, die dann vom vergangenen Freitag auf Donnerstag vorverlegt wurde.
Die Summe der in dem Dossier aufgelisteten Einzelmaßnahmen ist in ihrer Breite und zahlreichen Details neu - und schockierend. Ziemlich klar ist demnach, dass in Emden und Zwickau ab 2031 keine Autos mehr gebaut werden und dass 2032 auch in Hannover sowie 2034 in Neckarsulm die Auto-Ära vorbei ist. Für diese Werke könne dann "keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gewährleistet" werden, erklärte VW Donnerstagabend. Nun werden „parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft".
IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Betriebsratschefin Daniela Cavallo interpretieren das so optimistisch wie möglich: „Kein Werk wurde aufgegeben, und entgegen mehreren Medienberichten ist keine Werksschließung besiegelt. Vielmehr müssen jetzt für alle Standorte konkrete Lösungen erarbeitet werden – dabei sehen wir weiterhin ausdrücklich den Vorstand in der Pflicht.“ Viel Grund zur Hoffnung gibt es an den Standorten in Niedersachsen, Sachsen und Baden-Württemberg nüchtern betrachtet aber nicht. Die VW-Konzernführung jedenfalls hat den Aufsichtsrat davon überzeugt, dass "eine Produktionsüberkapazität
von 500.000 Fahrzeugen in Europa im Volkswagen-Konzern besteht". Eine zivile Auto-Zukunft könnte der eine oder andere Standort haben, wenn etwa ein Konkurrent aus China zugreift, um seine Modelle künftig in Deutschland für den europäischen Markt zu produzieren.
Zeitenwende im VW-Reich. Aber riesiger Jobabbau und vierfacher Werksverlust sind längst nicht alles. Zahlreiche weitere Sanierungsmaßnahmen, so zeigt das geheime Dossier, betreffen alle Ebenen, alle Weltregionen und das gesamte Produktportfolio von VW.
Beispiele: Die Marke Seat steht vor dem sicheren Aus. Porsches Elektro-Taycan wird ab 2030 nicht mehr produziert. 75 Prozent aller Modellvarianten unterm VW-Dach und die Hälfte aller Modelle sollen verschwinden.
Der Ausstieg aus dem Autonomes-Fahren-Projekt Moia ist offenbar beschlossen. Zahlreiche Beteiligungen sollen veräußert oder reduziert werden, darunter die schwergewichtige Nutzfahrzeuge-Sparte Traton. Insgesamt könnten es 700 Gesellschaften werden, die der Konzern abstößt. Auf der Verkaufsliste stehen unter anderem Ducati, Gotion, QuantumScape, SGL-Carbon. Sogar Europas größte Entwicklungsabteilung, die als ganzer Stolz von Volkswagen gilt, wird schrumpfen: Bei der Technischen Entwicklung ist laut Dossier-Plan eine Reduzierung "um 35 bis 50 Prozent vorgesehen".
VW wird also dramatisch abbauen und von ganz oben aufgemischt.
Aber für welche Zukunft? VW will weniger selbst entwickeln und deutlich mehr bei Zulieferern einkaufen, sogar auf chinesische Konzernplattformen zurückgreifen. Es gebe eine „Refokussierung des Produktportfolios auf größere und ertragreichere Fahrzeuge (insbesondere SUVs)“, heißt es in dem Geheimplan. Besiegelt werden soll in Kürze eine neue Partnerschaft mit einem US-Autokonzern - unter anderem, um Trumps Zölle zu umgehen.
Abgerissen und neu gebaut wird die gesamte Management-Architektur. 5500 Führungsposten fallen demnach weg, heißt es in dem Papier: „Die Gesamtzahl der Managementpositionen weltweit wird von derzeit ca. 21 500 auf circa 16 000 Positionen reduziert.”
In seiner Dramatik, seiner Dimension und seiner gesamtwirtschaftlichen Relevanz ist dieser Wolfsburger Rettungsversuch beispiellos. Es ist das Ende von Volkswagen wie wir es kennen.
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Ein entspanntes Wochenende mit anregender Lektüre wünscht Ihnen |
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Ihr Harald Schumacher
Reporter Unternehmen & Märkte
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